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Gastbeitrag – Werbung per Tell-a-friend-Funktion – Immer noch ein Risiko?

14. Juni 2016

Tell-a-friend-Funktion

Weiterempfehlungsfunktion im Visier der Gerichte

„Erzähle deinen Freunden von diesem Produkt“ oder schlicht „Empfehlen“… Diese auf immer noch unzähligen Webseiten vorhandene Funktion ist ein nettes Gadget, mit dem Webseitenbesucher die gefundenen Artikel ganz einfach ihren Bekannten oder Verwandten empfehlen können. Eine Gratiswerbung für den Online-Shop sozusagen…

In vielen Online-Shops wird dem Kunden (meist in der Artikelbeschreibung) eine Funktion bereitgestellt, mit deren Hilfe Nutzer bestimmte Produkte (beispielsweise Freunden oder Bekannten) weiterempfehlen können. Genau dieser Punkt ist es jedoch, an dem sich die Gerichte seit einigen Jahren stören. Was so harmlos aussieht, wird als unzulässige Werbemaßnahme eingestuft: Vor fast drei Jahren hat der Bundesgerichtshof klar gemacht, dass es nicht zulässig ist, für Nutzer eine sog. Weiterempfehlungs- oder auch „Tell a friend“-Funktion zur Verfügung zu stellen.

Was ist der Hintergrund? Denn an sich ist die Weiterempfehlung nichts anderes als eine technisch automatisierte E-Mail zwischen zwei „Freunden“. Doch dem Dritten werden durch die Funktion unverlangt Empfehlungs-E-Mails zugeschickt, was einer unrechtmäßigen E-Mail-Werbung gleichkommt (Bundesgerichtshof, Urteil vom 12.09.2013 Az. I ZR 208/12). Dies gelte unabhängig davon, dass die Empfehlungs-E-Mails lediglich von einem Dritten (also dem Webseitenbesucher) veranlasst werden und nicht vom Händler selbst. Für einen Wettbewerbsverstoß reicht es nach der aktuellen Rechtsprechung schon aus, „dass“ die Weiterempfehlungsfunktion verwendet werden kann. Auf die konkrete Funktionsweise kommt es nicht an.

Nutzen der Tell-a-Friend-Funktion unrechtmäßig

Auch eine Lösung, nach der der Nutzer durch Klick auf den Briefumschlag-Button direkt in sein E-Mail-Konto weitergeleitet wird, soll nach Ansicht des Landgerichts Hamburg nicht genügen (stark kritisiertes Urteil vom 8. Dezember 2015, Az.: 406 HKO 26/15). Obwohl der „Freund“ die E-Mail aus seinem E-Mail-Konto heraus verschickt, also nichts anderes macht, als eine eigene E-Mail zu versenden, ist dies nicht statthaft. Es sei irrelevant, dass die E-Mails nicht vom Händler, sondern von Nutzern versandt werden. Entscheidend ist, dass die Versendung auf Veranlassung des Gewerbetreibenden erfolgt und eine Werbung für dessen Unternehmen bzw. dessen Angebote enthält.

Praxistipp

Wo die Möglichkeit (z. B. im Online-Shop) besteht, sollte derzeit auf die „Tell a friend“-Funktion verzichtet werden.

Auf den Plattformen – auf denen keine Einflussmöglichkeiten auf die Darstellung bestehen – setzen sich Händler jedoch der Gefahr einer Abmahnung aus. Besonders unbefriedigend ist hier für Händler der Umstand, dass ihnen die Hände gebunden sind. An dieser Stelle müssen Online-Händler abwägen, in welchem Maße sie auf die Plattformen angewiesen sind.

Zur Beruhigung sei gesagt: Abmahnungen wegen der Verwendung der „Tell a friend“-Funktion sind bisweilen glücklicherweise noch rar gesät.

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Zum Autor:

Der Händlerbund bietet Onlinehändlern zahlreiche Vorteile, unter anderem abmahnsichere Rechtstexte, kompetente Rechtsberatung, Hilfe bei Abmahnungen (auch rückwirkend und bei Selbstverschulden des Händlers), ein Kundenbewertungstool und Käufersiegel als Gütesiegel für Onlineshops.

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2 Kommentare

  1. Danke für den Artikel! Ich habe tatsächlich lange nach einem Artikel gesucht, der den juristischen Aspekt von E-Mail Marketing behandelt.

    1. Hallo Julia,
      vielen Dank für das Lob. Wir freuen uns immer sehr wenn wir mit unseren Artikeln weiterhelfen können.
      Beste Grüße,
      Felix Keller

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